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Energiekommunen: Herausforderung oder Chance für etablierte Versorgungsunternehmen?

 

Energiekommunen: Herausforderung oder Chance für etablierte Versorgungsunternehmen?

 
 

Von Franz Winterauer

 
 
Wir haben so viele Legosteine bzw. -teile zuhause und meine Kinder und ich lieben es, Bauanleitungen herunterzuladen (natürlich legal!), um richtig große Modelle zu bauen. Meistens haben wir tatsächlich alle erforderlichen Teile zur Hand, aber bei den Farben müssen wir immer wieder – sagen wir mal – bedeutende Kompromisse eingehen. Unser hauseigener Star Wars Death Star (eines unserer größten Modelle!) sah in Hunderten verschiedenen Farben (einschließlich der pinken Lieblingslegosteine unserer Tochter, die wir verwenden mussten) ziemlich lustig aus und innendrin haben wir Harry Potter und Batman Figuren verbaut, die gefährliche Laserkanonen abschießen .

Und jetzt schauen wir uns an, wie das alles mit der Überschrift dieses Blogs zusammenhängt, die Sie dazu gebracht hat, diesen Artikel anzuklicken: Auch wenn ich jetzt in der Energiebranche arbeite, habe ich einige Jahre in der Welt der Big Data verbracht. In diesem Bereich gibt es ein Konzept, das sich „Daten-Demokratisierung“ nennt. Das bedeutet im Grunde, dass man jedem Zugang zu Daten gewährt, wann immer und wo immer er benötigt wird, also: Jeder kann damit herumspielen, wie er möchte. Während ich dieses Konzept auf Anhieb gut fand, habe ich in vielen Branchen zahlreiche Leute getroffen, die fanden, dass dies eine äußerst schlechte Idee sei: Für einen Experten, an den sich Kunden wenden, damit sie ihre Daten sinnvoll nutzen können, bedroht Daten-Demokratisierung die Kontrolle. Potenzielle Anarchie! Aber irgendwann einmal hatte ich diese Eingebung, als ich eine potenzielle Parallele zur Energiebranche gesehen habe und so habe ich den Begriff „Energie-Demokratisierung“ erfunden. Danach habe ich nach dem Begriff im Internet gesucht und ich muss zugeben, dass einige Leute schneller waren als ich und schon früher diese Analogien erkannt hatten. Ich weiß, es ist unglaublich, aber wahr.

Aber egal, ob ich der Erste war oder nicht, die Anzahl der Personen, die an der Energiegewinnung, am Verbrauch und an der Speicherung davon beteiligt sind, steigt stetig an. Diese sogenannten Prosumer haben das Potenzial, das traditionelle Energiesystem, wie wir es bis heute kennen, völlig umzukrempeln. Beispielsweise wurde kürzlich berichtet, dass es ungefähr 52.000 laufende Speichersysteme gibt, die PV-Anlagen in Deutschland bedienen und ungefähr 300 MWh Kapazität bieten. Ein ähnlicher Trend, der sowohl kurz- als auch mittelfristig noch mehr Einfluss haben wird, ist die kommunale Energie. Dabei schließen sich mehrere Stakeholder – Konsumentengruppen, lokale Behörden, Unternehmen – zusammen, um mit einer gemeinsamen Agenda und einem Aktionsplan ein lokales Energiesystem aufzubauen. In diesem Fall sind die Kommunen Multiplikatoren und Beschleuniger für Einzelpersonen, die auf den Zug der erneuerbaren Energien aufspringen. So sind seit 2008 im Vereinigten Königreich beispielsweise mehr als 5.000 kommunale Energiegruppen aus dem Boden geschossen, die über 60 MW Erzeugungskapazität für erneuerbare Energien haben.

Und so werden Leute wie Sie und ich Teil der Energiebranche. Das bedeutet Energie-Demokratisierung. Die Reaktion von Versorgungsunternehmen darauf, könnte sein, dass sie – wie auch einige meiner Kollegen bei der Daten-Demokratisierung – das Chaos fürchten, denn Chaos ist ja schließlich auch eine Bedrohung für die Sicherheit und die Effizienz der Energieversorgung. Versorgungsunternehmen und Regulierungsbehörden müssen sich nur einmal in anderen Branchen umsehen, um festzustellen, dass Demokratisierung eine höchst disruptive Realität des 21. Jahrhunderts ist. Deshalb ist es besser, wenn man sich darauf vorbereitet, anstatt sie abzulehnen oder zu ignorieren. Die guten Neuigkeiten sind, dass die Rolle für die Energieversorger laut unserer Studie „Power to the People“ sehr klar definiert ist. Dafür zu sorgen, dass das Licht stetig brennt, ist nicht so eine einfache Aufgabe wie Auto fahren oder die Vermietung der Wohnung. Auch wenn Kommunen mehr Wissen über Energie erlangen, sind sie noch lange keine Experten. Das gilt besonders für Informationen über das System und dennoch haben uns Kommunen mitgeteilt, dass sie Informationen als essenziell für den Erfolg ihrer Initiativen ansehen.

Ein Hauptziel der Kommunen ist es, ihr lokales Energiesystem besser zu verstehen, von der Erzeugung bis hin zum Verbrauch. Wenn sie dieses Verständnis erlangt haben, streben sie auch danach, den wirtschaftlichen Wert, der innerhalb des Systems erzeugt und verteilt wird, zu messen. Das erhöht die Transparenz als Basis für Gespräche zwischen den verschiedenen Stakeholdern.

Kommunen sagen, dass die kontinuierliche Verdichtung, Konsolidierung und Analyse von Daten ausschlaggebend dafür ist, die Betriebseffizienz des Systems zu optimieren und weitere Verbesserungspotenziale zu erkennen.

Während Kommunen für gewöhnlich eher klein sind (was die relative Nachfrage/Lieferkapazität angeht), beziehen sie oft alle Aspekte der Energieressourcen mit ein, wenn sie ihre Ziele festlegen. Sie streben nach einem holistischeren, integrierten Ansatz, der beispielsweise Elektrizität, Gas und Wasser sowie Wärme, Speicherung und Elektrofahrzeuge umfasst.

Auch wenn viele Versorgungsunternehmen immer noch im Bereich Datenmanagement und Analytics dazulernen, wissen sie dennoch wesentlich besser, was sie messen und analysieren müssen als die Kommunen. Wie ich bereits erwähnt habe, ist für Netz-Analytics die enge Zusammenarbeit von Data Scientists, IT-Experten und Energietechnikern erforderlich; diese Fähigkeiten können Kommunen oft nicht alle leisten. Außerdem können sie in einem One-to-many-Modell, bei dem das Versorgungsunternehmen zahlreichen Kommunen seine Services bietet, möglicherweise von den Techniken und Tools profitieren, die genau auf die Bedürfnisse der Kommune angepasst und zugeschnitten sind. Und schließlich können Energieversorger durch das Zusammenführen von Daten mehrerer kommunaler Energieprogramme, durch das der Datenbestand erweitert wird, genauer herausfinden, welche Zusammenhänge die Effizienz in kommunalen Systemen fördern. 

Etablierte Versorgungsunternehmen befinden sich in der besten Position, diese an Energieerzeugung interessierten Stakeholders anzusprechen und sie in die neue Energieära zu führen, denn viel davon sind (noch) ihre Kunden. Dennoch werden andere Akteure mit weniger Erfahrung und Expertise schon bald für sich beanspruchen, die Services und Kenntnisse liefern zu können, die Kommunen brauchen. Die Demokratisierung der Energie wird zu Beginn eine Herausforderung sein, aber Versorgungsunternehmen müssen sich dieser stellen, bevor sie die Chance verpassen. 

Kommen wir nochmal auf die „Lego-Umbauprojekte“ zurück, die ich eingangs erwähnte: Die größte Herausforderung besteht darin, dass meine Kinder sich nie an die Bauanleitungen halten wollen, anfangen, mit den Mini-Figuren zu spielen, ihre Kreativität ausleben und überhaupt nicht daran interessiert sind, das eigentliche Modell zu bauen. Auf dem Bild in diesem Blog sehen sie deshalb das brandneue „Death Star Clone Trooper Fitnessstudio“ ;-). Also Sie sehen schon, dass es mich ganz schön viel Anstrengung kostet, sie darauf zu fokussieren, was ich bauen möchte (zum Beispiel konform mit der Anleitung), aber es interessiert sie einfach nicht, was ich möchte. Wenn wir keinen gemeinsamen Ansatz finden, spielen die Kinder einfach nicht mehr mit mir und suchen sich ein neues Spiel, bei dem ich nicht mitmachen darf ...

Ach ja:  Das klingt mir ganz nach „Lego-Demokratisierung“. Google-Suchergebnisse: Null. Juhuuu! Endlich bin ich einmal der Erste mit einem bahnbrechenden Konzept ;-)

 
 

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