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Der herkömmliche POC ist tot. Lang lebe der POV.

In einer IoT-Welt den „Proof of Concept“ auf den Kopf stellen und den „Proof of Value“ bereitwillig annehmen
 

Der herkömmliche POC ist tot. Lang lebe der POV.

In einer IoT-Welt den „Proof of Concept“ auf den Kopf stellen und den „Proof of Value“ bereitwillig annehmen
 

Von Franz Winterauer

Wie so oft beginne ich meinen Blog mit einer kleinen Analogie zu Lego: Wenn Sie Ihren Kinder nur zeigen, dass man bestimmte Lego-Teile miteinander verbinden kann, beispielsweise zwei Standard 2X3- und 1X3-Steine, wie viel Aufmerksamkeit werden Sie dann wohl von ihnen bekommen? Nicht allzu viel, würde ich meinen. Wenn Sie Ihrem Kind jedoch das Bild eines gigantischen Star-Wars-Gebäudes oder einer faszinierenden Ritterburg zeigen, wird seine Motivation, mit dem Bauen zu beginnen und Spaß zu haben, unendlich viel größer sein.

Wir stellen Folgendes fest: Die Tatsache, dass wir etwas machen können (beispielsweise zwei Lego-Steine miteinander verbinden), bewirkt nicht unbedingt eine große Triebkraft, warum wir es machen sollten. Und dies bringt mich zum Hauptpunkt dieses Artikels:

Schauen Sie sich unsere grafische Darstellung an, die den Übergang vom POC auf den POV zeigt:


Allzu oft höre ich Kunden über einen POC (Proof of Concept) reden, den sie mit einem IT-Unternehmen hinsichtlich eines Anwendungsfalles erfolgreich zum Abschluss gebracht haben. Doch zu vielen bzw. zu den meisten dieser POCs hat es später nie eine Follow-Up-Maßnahme gegeben, weil etwas Wichtiges (ein gewisser Antrieb oder ein Engagement in der Organisation) gefehlt hat. Die provokative Aussage, die ich heute erörtern möchte, ist, dass ein POC – wenn er isoliert durchgeführt wird – nutzlos und nichts weiter als ein Echo aus den guten (?) alten 1980er Jahren ist.

Definitionsgemäß beweist ein POC sozusagen, dass etwas gemacht werden kann. Ist das nicht wichtig? Nun, meiner bescheidenen Meinung nach ist es das nicht. Zumindest nicht mehr in einer digitalen Welt des Jahres 2019. Meine verrückte Behauptung lautet, dass heute alles machbar ist. Wenn es um IIoT-Herausforderungen in der Welt der Energie und der Infrastruktur geht, kann sicherlich nicht jeder alles machen, aber es ist nun einmal Ihre Aufgabe zu beurteilen, wer Ihrer Meinung nach über alle erforderlichen Fähigkeiten verfügt: Expertise auf dem entsprechenden Gebiet, Fertigkeiten in Sachen IT/OT-Integration, Kompetenz im Bereich Data Science, Know-how, was Echtzeit-/Offline-Prozesse angeht, und vieles mehr. Wir hoffen, dass wir, was das angeht, auf Ihrer Liste stehen, die nicht (sehr) lang sein dürfte ;-)

Demzufolge darf die Frage also nicht lauten, ob eine Sache machbar ist, sondern warum sie gemacht werden sollte, und in einem nächsten Schritt, wie sie gemacht werden sollte. Vergessen Sie den POC, bei dem es um die Machbarkeit geht, denn heutzutage ist alles machbar. Die Frage ist nur, was es kostet und was es bringt. Diese Relation hat einen einfachen Namen: WERT!



Kunden fragen mich sehr oft, ob wir meiner Meinung nach ihre Daten verwenden können, um eine bestimmte wichtige Variable (z. B. einen Anlagenausfall) vorherzusagen. Auf diese Frage bekommen die Kunden von mir immer dieselbe Antwort: Ja, das können wir! bzw. Yes, we can! Ich entschuldige mich für das Plagiat ;-)

Wir können heutzutage wirklich alles vorhersagen. Es stellen sich nur folgende Fragen: 1. Bis zu welcher Genauigkeit können wir eine bestimmte Variable, die von Interesse ist, vorhersagen? und 2. Sind die entsprechenden Kosten, die für das Generieren/Erfassen/Speichern/Analysieren der erforderlichen Daten anfallen und dafür, sie für einen Entscheider zu visualisieren, die Sache wert? In anderen Worten: Wird WERT erzeugt?

Um es noch genauer auszudrücken: Mit mehr Daten, besseren Daten und anderen Daten kann man immer 99 % statt 90 % bzw. 99,99 % statt 99 % erreichen usw. – aber lohnen sich die Kosten? Und – was noch wichtiger ist – welches Ergebnis lässt sich erzielen? Manchmal bringen mehr Daten keinen zusätzlichen Mehrwert, andere Male schon. Sie müssen es eben herausfinden – und Sie müssen es mit Ihren eigenen Daten herausfinden, nicht mit den Daten von anderen, die auf aufwendigen PowerPoint-Folien als „Markt-Benchmarks“ präsentiert werden! Verstehen Sie mich nicht falsch: Benchmarks sind eine tolle Sache. Sie liefern Informationen über einen potentiellen Wert eines Anwendungsfalles, aber Sie müssen sich Ihre Finger „mit Ihren eigenen Daten schmutzig machen“, und zwar so schnell wie möglich, um den realen Wert herauszufinden, der Ihrem speziellen Fall beschieden ist.

Analytics ist toll, ja in der Tat so toll, dass die Kreativität angeregt wird, sobald es zu einem gewissen „WOW!“-Moment gekommen ist. Und kluge Köpfe tendieren dazu, eine Million Ideen zu haben, welche wundervollen Dinge mit Analytics vollbracht werden können. An dieser Stelle wird die Sache trügerisch, denn jetzt wird (garantiert!) jemand im Raum vorschlagen, einen POC mit einigen dieser brillanten Ideen durchzuführen – das ist immer so. In einer solchen Situation wäre meine Empfehlung, sich nicht in diese interessanten Themen hineinziehen zu lassen, sondern stattdessen alle vorliegenden Möglichkeiten näher zu bestimmen und sich nur auf die Themen zu konzentrieren, die wirklich eine Wertschöpfung zur Folge haben. Manchmal kann es sich dabei um interessante Themen handeln, es kann jedoch auch recht langweilige Themen geben. Der Wert ist entscheidend!

Aus diesem Grund lautet die Frage nicht, ob eine Genauigkeit von 99,9999... % erzielt werden kann, sondern auf welchem Niveau das Nutzen-Kosten-Verhältnis für Ihren Anwendungsfall, in Ihrer Umgebung, mit Ihren Daten am höchsten ist. Manchmal vergessen die Jungs aus der Technik – aufgrund ihrer Engineering-DNA –, dass weder „größtmögliche Genauigkeit“ noch „möglichst viele Daten“ das Ziel sind, sondern dass es nur um den Wert geht. Zu dumm ;-) Sie dürfen eines nie vergessen: Die Wert-Kosten-Kurve ist keine lineare „Mehr ist mehr“-Relation, sondern sie ist, was sie ist: eine Kurve. Es geht nur darum, den höchsten Punkt dieser Kurve zu finden...

Und an dieser Stelle kommt der POV (Proof of Value) zum Tragen: Bewertungen der wertvollen Nutzung und (!) Business-Case-Kandidaten beginnen möglicherweise mit ersten, auf eine Serviette gekritzelten Ideen, gelangen dann in einfache Excel-Tabellen und enden schließlich in einer komplexen Business-Case-Bewertung. Eine wichtige Sache gilt es zu bedenken: Dies sollte stets durch Datenexploration untermauert werden, wodurch nachgewiesen wird, dass der gewünschte Wert mit den Ihnen vorliegenden Daten generiert werden kann, und wodurch aufgezeigt wird, inwieweit dieser Wert mit Ihren verfügbaren Daten erreicht werden kann (und wodurch extrapoliert wird, wie viel mehr Wert mehr Daten generieren würden).

Aus diesem Grund befürworten wir sehr stark, mit dem POV zu beginnen (und zwar immer!) und – wenn dieser erfolgreich ist – mit einem sogenannten „Advanced POC“ nachzufassen:

Herkömmlicher Ansatz
1. POC: Können wir das machen?
2. POV: Warum sollte ich das machen? Wird dadurch Wert generiert?

Ansatz nach dem Grundsatz „Der Wert ist entscheidend“
1. POV: Warum sollte ich das machen? Wird dadurch Wert generiert?
2. Advanced POC: Wie können wir das machen? Wo ist das Wert-Daten-Optimum?

Es hat den Anschein, dass wir zu häufig vergessen, nicht nur das (technische) Konzept und die Machbarkeit zu prüfen, sondern auch, die erforderliche Energie dafür aufzuwenden, zuerst den wahren Wert einer Bemühung zu prüfen. Und natürlich müssen Sie rechtfertigen, warum Sie eine so lange Reise überhaupt in Angriff genommen haben. Auch wenn Sie die Gesamtsituation im Hinterkopf haben und darauf hinarbeiten, muss doch jeder Schritt in Richtung auf ihr letztendliches langfristiges Ziel seinen Wert getrennt unter Beweis stellen. Dann – und nur dann – macht es wirklich Spaß, etwas aufzubauen, und ich meine da sowohl wertvolle Lego-Bauprojekte als auch wertvolle IoT-Lösungen...

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